G. Bosold
Götter und Sagengestalten der griechischen Mythologie
sagen.bosold.de
Der zehn Jahre währende Trojanische Krieg ist ein wichtiger Inhalt der griechischen Sagen. Einem Abschnitt aus dem Geschehen widmete Homer seine Ilias-Dichtung, die eine wichtige Quelle nicht nur für den Ablauf der kriegerischen Ereignisse sondern auch für die übrige Sagenwelt darstellt ([HI].
Im folgenden sollen die Geschehnisse zusammengefasst werden. Diese Kurzdarstellung gibt den umfangreichen Stoff bewusst verkürzt wieder.
Im Urteil des Paris hatte der
trojanische Königssohn Paris Liebe
als Lohn für ein Urteil zugunsten Aphodites versprochen
bekommen, die er in Gestalt der Helena, der Frau von
König Menelaos von Sparta, erhalten
sollte.
Paris' Raub der Helena löste die
Rüstung der Griechen zum Kriegszug
gegen Troja aus, an dem alle griechischen Fürsten teilnahmen.
Es kam zwar noch zu Verhandlungen, die aber nichts erbrachten, weshalb sich nun auch die trojanischen Fürsten auf den Krieg einstellen mussten. Die Abfahrt der Griechen verzögerte sich noch durch Windstille und die folgende Opferung der Iphigenie.
Nach der Abfahrt unterwegs auf der Insel Chryse wurde der
von einer Natter gebissene Philoktet
ausgesetzt.
Am kleinasiatischen Festland angekommen, kam es zu
eigentlich unnötigen Kämpfen mit dem griechischstämmigen
Mysierkönig Telephos.
Paris, inzwischen mit Helena und mitgebrachten Schätzen in Troja angekommen, wurde mit der neuen Gemahlin trotz der Kriegsgefahr in Troja aufgenommen.
Gleich nachdem die Griechen vor Troja angekommen waren, begannen erste Kämpfe. Ihnen folgte der von Odysseus verursachte Tod des Palamedes.
Die darauffolgenden ersten Kriegsjahre waren von den Kriegszügen des Achill und des (großen) Ajax geprägt, gefolgt vom Tod des Polydoros, des noch jungen trojanischen Königsohns, dessen Austausch gegen Helena die Trojaner abgelehnt hatten, worauf der Krieg neu aufflammte.
Von den folgenden wechselvollen Ereignissen berichtet bis zum Tod Hektors ausführlich Homers "Ilias":
Vor neuer Schlacht kam es zum von Agamemnon
verursachten Zorn des Achill, der
sich deshalb zunächst grollend vom Kampf zurückzog. Zeus
sendete auf Bitten von Achilleus' Mutter Thetis dem Agamemnon
einen täuschenden Traum, worauf der das Kriegsvolk in
Versuchung führte durch in Aussicht gestellte Rückkehr,
die aber Odysseus durch kluge Rede abwendete. Als nur noch
der häßliche Lästerer Thersites auf Heimkehr drängte,
schlug ihn Odysseus zum Beifall der anderen mit dem
Zepter.
Darauf weissagte Kalchas, dass nach nun vergangenen neun
Jahren Krieg im zehnten Jahr der Fall Trojas kommen werde.
Agamemnon ordnete die Reihen der Griechen neu in Erwartung
kommender Schlacht.
Als sich die Heere begegneten, trat Paris hervor und forderte den Tapfersten der Griechen zum Zweikampf heraus. Als Menelaos hervortrat, ging Paris zunächst zurück. Im dann auf Grund eines Vertrages doch stattfindenden Zweikampf, nach dem Helena dem Sieger im Zweikampf gehören sollte, wäre Paris von Menelaos fast umgebracht worden. Der Besigte wurde aber, von Aphrodite gerettet, dem Kampf entzogen.
Von Zeus und Hera wurde dann der Untergang Trojas beschlossen. Athena ermuntert Lykaons Sohn Pandaros dazu, vertragswidrig auf Menelaos zu schießen. Der Verletzte wurde vom Arzt Machaon behandelt, aber die Heere stießen nun erneut aufeinander. Den Trojanern standen Ares, Apollon und Aphrodite zur Seite, den Griechen insbesondere Athena, Hera und Poseidon.
Nun begann die Schlacht. Mit Unterbrechungen und immer wieder wechselnden Vorteilen für die beiden Seiten dauerten die Kämpfe im letzen Jahr des Krieges an bis zu dessen Ende.
Zunächst griff der von Athene gestärkte
Diomedes in
den Kampf ein, und er begegnete dabei dem
Glaukos.
Dann war Hektor in Troja, bat seine Mutter, Athene als
Beschützerin der Städte um Hilfe anzuflehen und drängte
Paris, zum Kampf zurückzukehren. Anschließend gab es
einen durch die hereinbrechende Nacht unterbrochenen
Zweikampf zwischen Hektor und dem großen Aias
(Ajax).
Während eines Waffenstillstandes lehnten die Griechen
ein Friedensangebot Paris' ab. Es kam zu neuer Schlacht
mit Vorteil für die Trojaner.
In der Folge bot Agamemnon dem erzürnten Achilleus
(Achill) vergeblich die Versöhnung an. Die Griechen
wurden dann ein zweites Mal besiegt. Die Trojaner
überwanden Wall und Graben um das Lager und die Schiffe
der Griechen. Es begann ein Kampf um die Schiffe. Erst
dann wurden die Griechen von Poseidon gestärkt und
bekamen die Unterstützung Heras.
Aber es wurde auf trojanischer Seite auch der von Ajax
verwundete Hektor von Apoll geheilt und gestärkt. Hektor
tötete mit Unterstützung von Apoll Patroklos, den
Freund von Achill, und beraubte ihn der Rüstung Achills,
die er getragen hatte.
Achill trauerte um seinen gefallen Freund Patroklos und
entschied, nun doch zum Kampf zurückzukehren. Er wurde
durch Zutun seiner Mutter Thetis neu bewaffnet. Agamemnon
und Achill versöhnten sich.
Nach einer Schlacht, in der auch die Götter wie nie zuvor
eingegriffen hatten, und Achill mit dem Gott des Flusses
Skamander kämpfte, kam es zum Kampf zwischen Hektor und
Achill vor den Mauern Trojas und Hektors Tod.
Nach der Leichenfeier und den Leichenspielen zu Ehren des
gefallenen Patroklos kam der greise Priamos zu den
Schiffen der Griechen und erbat von Achill die Leiche
seines Sohnes Hektors auslösen zu können, was ihm zusammen
mit elf Tagen Waffenruhe zur Ausrichtung der Leichenfeier
gewährt wurde.
In dieser Zeit der Bestürzung über den Tod ihres gewaltigsten Helden erhielten die Trojaner Unterstützung durch die Amazonenkönigin Penthesilea, einer Tochter des Kriegsgottes Ares. Zwar konnte sie als sich Achill und Ajax noch am Grabe des Patroklos befanden den Griechen Verluste beibringen, sank aber dann durchbohrt von Achills Speer zu Boden. Achill selbst bedauerte wehmütig den Tod der schönen Heldin. Als ihm das der spöttische Thersites vorwarf, erschlug Achill den ewigen Spötter kurzerhand mit einem Faustschlag.
Danach sollten die Trojaner nochmals Hilfe erhalten vom äthiopischen König Memnon, einem Sohn von Thitonos und Eos. Zwar hatten im Rat der Ältesten der Trojaner Thymoites und Polydamas zur Aufgabe des Kampfes geraten, aber Priamos setzte auf Memnons Unterstützung. Im Kampf wurde Memnon durch Achill getötet.
Dann ereilte der Tod auch den Achilleus, der Griechen gewaltigsten Helden. Getroffen von einem Pfeile des die Trojaner unterstützenden Apollons selbst (oder von einem durch Apollon gelenkten Pfeil des Paris), sank er an der verletzlichen Ferse getroffen zu Boden.
Nach den Leichenspielen zu Ehren des toten Achill brachte sich Aias der Telamonier selbst um, in Schwermut darüber gesunken, dass nicht er, sondern Odysseus Achills Rüstung zugesprochen bekam.
Als damit die Griechen ihrer beiden größten Helden beraubt
waren, machte Menelaos selbst den Vorschlag, die trojanische
Küste zu verlassen. Diomedes widersprach entschieden. Kalchas,
der Seher, offenbarte darauf, dass Troja nur mit den
Pfeilen des Philoktetes zu erobern sei, den
man auf Lemnos verwundet zurückgelassen hatte.
Odysseus und Diomedes fuhren daraufhin nach Skyros, um zunächst
Pyrrhos, mit anderem Namen Neoptolemos, den Sohn des Achill,
zu holen, mit Hilfe dessen Philoktet überredet werden sollte
mitzukommen.
Beim griechischen Heere angekommen traf Philoktet mit einem der
Pfeile des Herakles den Paris, der infolgedessen starb.
Als ein Sturmangriff der Griechen auf die Stadt keinen Erfolg
brachte, empfahl der Seher Kalchas die Stadt mit List zu nehmen.
Odysseus machte darauf seinen Vorschlag, die Trojaner mittels
eines hölzernen Pferdes zu überlisten.
Der kunstreiche Epëos vollendete das Pferd mit Athenes Hilfe.
Die Griechen segelten, Abzug vortäuschend, zur benachbarten
Insel Tenedos bis auf etliche Krieger, die sich im hölzernen
Roß verbargen. Getäuscht vom jungen Sinon, der sich als
Überläufer ausgab, zogen die Trojaner das Roß in die Stadt,
nicht auf die Warnungen vom Priester Laokoon und der
Seherin Kassandra hörend.
Darauf kam es zur Eroberung und Zerstörung Trojas. Aus dem
brennenden Troja trug der Fürst Aeneas seinen Vater Anchises.
Menelaos verzieh seiner Helena, die Paris gefolgt war, und
versöhnte sich mit ihr.
Auf Bitten des seinem Sohn Neoptolemos im Traum erschienenen
Achilleus sollte vor Abfahrt der Griechen das Schönste der
Beute geopfert werden. Die Wahl aller fiel auf die schöne
Polyxena, die sich darauf selbst tötete.
Die Griechen konnten nun fortsegeln, aber kaum einer der noch
lebenden Helden konnte schnell und ungetrübt sein zu Hause
erreichen.
So kam es
([GS] S. 191 ff.)